Eiberg im Herbst
Sep.
20

Die Schließung des Schachtes Eiberg vor 50 Jahren - Das Ende des Bergbaus in Eiberg

20.09.2018

Die Schließung des Schachtes Eiberg vor 50 Jahren nahm der HGK Eiberg zum Anlass einen kurzen Rückblick von den Anfängen des Steinkohlebergbaus bis zu ihrem Ende in unserer Heimat nachzuzeichnen. Schon im 12. Und 13. Jahrhundert wurde die Steinkohle im Aachener Raum und im Ruhrgebiet erwähnt. Der Referent, Christian Schlich, erläuterte die Gründe des frühen Bergbaus in unserer Region anhand einer Geologischen Karte und führte aus, dass auch in unmittelbarer Nähe zu Eiberg bereits im 16. Jahrhundert nachweislich Kohle abgebaut wurde. Besonders interessant ist die Feststellung, dass in einer Steuerliste von 1664 der Grafschaft Mark, zu der Eiberg, Horst, Freisenbruch und Königssteele verwaltungsmäßig gehörten, sich der erste Hinweis auf einen Bergmann wiederfindet. Denn dort wird erwähnt, dass ein gewisser Jan auf dem Fesenberg durch seine Arbeit im Kohlberg einen (gesundheitlichen) Mangel bekommen hat. Er ist damit der erste namentlich erwähnte Bergmann der ganzen Grafschaft Mark und wird im Bereich der später erwähnten Zeche „Schwarzer Junge“ gearbeitet haben, lag doch sein Haus in unmittelbarer Nähe. Ebenso belegt dies den schon zu dieser Zeit etablierten Kohleabbau in Stollensystemen. So gehörten die sogenannten Gartfeld´schen Kohlengruben im Bereich von Freisenbruch-Süd aber auch die Schultenkemperbank, die Mecklingsbank und die Wecklenbank in Horst, die Hünnighauserbank in Königssteele zu den ältesten Stollenzechen. Nicht minder war in Eiberg die Zeche „Schwarzer Junge“ eine bedeutende Stollenzeche unter königlicher Verwaltung, die zeitweilig auch illegal durch den Horster Landwirt Krampe abgebaut wurde. Sie verlief von der Dr.C.Otto-Straße in Höhe des heutigen Eisenbahnmuseums quer durch den Eiberg´schen Berg bis zur Sandkuhle in Obereiberg, so dass heute dieses Gebiet wegen der Oberflächennähe der Stollen stark einsturzgefährdet ist.

Die ersten Tiefbauzechen entstanden dagegen erst mit der Einführung von Dampfmaschinen zur Wasserhaltung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Schließlich wurde 1852 in Eiberg ein neues, 29 Zoll mächtiges Flöz in der Wiese des Bauern Siepmann im Tal der Schirnbecke entdeckt, was letztlich zur Gründung der Zeche Jacob im Jahre 1857 führte. Jedoch kam die Zeche nicht richtig in Tritt, gab es vor allem Probleme mit der Wasserhaltung. Durch einen Defekt an der Wasserhaltungsmaschine soff die Zeche schließlich im April 1879 ab und der Betrieb kam zum Erliegen. Erst 1881 kamen potente Investoren zusammen, die mit neuem Geld den Betrieb der insolventen Zeche wieder aufnahmen. So gründete sich 1882 die Zeche Eiberg, die das Grubenfeld Jacob weiter abbaute. 1899 wurde das Feld durch Zukäufe der anliegenden Grubenfelder „Der Freibeuter“, „Fridolin“, „Mecklingsbank ins Westen“ und „Victoria“ erweitert und schließlich ein zweiter Förderschacht „Hermann“ in Überruhr angelegt. Noch heute erinnern uns einige Straßennamen an diese Vergangenheit.

Doch die Anlage erwies sich als nicht so lohnend, da insbesondere auf Überruhrer Seite die Gesteinsschichten einen einfachen und schnellen Abbau nicht erlaubten. Hinzu kamen bereits die ersten Stilllegungen von benachbarten Zechen, so dass man mit bedeutenden Wasserzuflüssen rechnen musste. Diese Verunsicherung führte schließlich zum Verkauf der Zeche Eiberg an die Steinkohlenbergwerksgesellschaft der Zeche Ewald in Herten im Jahre 1904, die zunächst die Schließungsgedanken weit von sich wies, dann aber doch sehr hastig die noch lohnenden Bereiche der Zeche abbaute und den Betrieb endgültig 1914 einstellte. Zu Spitzenzeiten umfasste die Belegschaft 1.180 Mitarbeiter. Alle Gebäude wurden in den folgenden Jahren abgerissen und der Schacht Jacob (Eiberg) verfüllt. Das Grubenfeld wurde zeitweilig von der Zeche Ver. Charlotte und Steingatt in Burgaltendorf angepachtet, bis 1925 die Gewerkschaft der Zeche Heinrich in Überruhr das Feld Eiberg kaufte.

Erst nach dem 2. Weltkrieg trat der Bergbau in Eiberg wieder in Erscheinung, als 1951 für die aus der ehemaligen Zeche Ver. Charlotte im Jahre 1930 neu entstandene Zeche Theodor der Gewerkschaft Heinrich in Eiberg ein neuer Außenschacht entstand. Dazu wurde der einst verfüllte Schacht Eiberg (Jacob) aufgewältigt. Da sich beim Verfüllen des Schachtes Hohlräume gebildet hatten, kam es am 25. September 1953 zu einem Unglück, als 8 Bergeleute ohne die vorgeschriebene Sicherung auf 265 m Teufe in einen dieser Hohlräume abstürzten. Der zentrale Trauerfeier wurde auf dem Parkfriedhof abgehalten und die Toten anschließend auf ihren Heimatfriedhöfen beerdigt. Unter den Veranstaltungsteilnehmern befanden sich auch noch Zeitzeugen, die dieses Ereignis authentisch beschreiben konnten.

Doch sollte der Steinkohlebergbau in Eiberg nicht mehr von langer Dauer sein, denn die 1957 beginnende Kohlekrise und das deutlich günstigere Erdöl verdrängte die Kohle mehr und mehr. So kam es bereits am 31. März 1968 zur Schließung der Zeche Heinrich mit all ihren Schächten und im Folgejahr zum Abbruch der Außenanlagen auch in Eiberg. Nur die Abraumhaldenreste sollten noch bis kurz vor der Bebauung des ehemaligen Zechengeländes an die Bergbauzeit erinnern.

Heute erinnert das im Mai 2008 vom Heimatgeschichtskreis Eiberg in der Nähe des ehemaligen Schachtes Eiberg an der Straße Hobestatt errichtete Zechendenkmal mit einem Gedenkstein, der den dort im Jahre 1953 verunglückten, aber auch allen anderen Bergleuten, die ihr Leben im Bergbau verloren haben, gewidmet ist.

Der Referent erinnerte in diesem Zusammenhang an die oft schwierige und gefährliche Arbeit unter Tage und hob diese Arbeitsleistung für den Fortschritt und Wohlstand unseres Landes hervor.

Zum Abschluss der sehr gut besuchten Veranstaltung wurde noch das Steigerlied gesungen und traditionell darauf mit einem Schnaps angestoßen, zumal wir Ende diesen Jahres, 50 Jahre nach der Schließung des Schachtes Eiberg, auch bundesweit vom Steinkohlebergbau endgültig Abschied nehmen müssen.

Auch in der Presse wurde über unsere Veranstaltung berichtet. (WAZ )

Fotos: D.Eilmes (1); Archiv C.Schlich (1)

.    Zeche Eiberg 1965

 

Jul.
07

Übergabe der geschichtlichen Infotafel zum Hof Schulte-Bockholt an die Öffentlichkeit

07.07.2018

In Fortsetzung seines Projektes „Erlebbare Lokalgeschichte“ hat der Heimatgeschichtskreis Eiberg nun eine weitere, geschichtliche Informationstafel erstellt. Diesmal widmet sich die Tafel dem erstmals um 1250 erwähnten Hof Schulte-Bockholt am Schultenweg 98. Diese konnte am 7. Juli 2018 der Öffentlichkeit übergeben werden.  An der kleinen Feier nahmen rund 35 Personen bei bestem Wetter teil, darunter auch zahlreiche Vertreter aus dem Stadtrat und der Bezirksvertretung Steele-Kray.

Der Vorsitzende, Herr Christian Schlich, begrüßte die Anwesenden und erläuterte die nunmehr 7. Tafel, die der Heimatgeschichtskreis Eiberg seit 2008 errichtet hat. Er ging dabei auf die Geschichte des sehr alten Hofes Schulte-Bockholt und deren Aufsitzer ein. Ebenso dankte er der Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins Steele-Horst e.V., Frau Alexandra Schmitz, für die Überlassung des Aufstellplatzes und den Nachfahren der Familie Schulte-Bockholt, die die Tafel durch Spenden ermöglicht haben.

Der geschichtsträchtige Hof Bockholt taucht erstmals nachweislich im Lehnbuch (1250-1300) des Edelherren Dietrich I. von Volmarstein auf, als dieser den Ritter Thidericus Nortkerke mit dem „curtem in Bocholte in Sthelo“ (Hof im Bockholt in Steele) belehnt. Teile des Hofes waren auch an die Abtei Werden und 1275 an die Essener Stiftsdame Elisa von Rennenberg verpfändet.

Der Hof war stets der größte sowie höchst besteuerte in Eiberg und stellte zudem den Schulten, der der Bauerschaft als unterste Verwaltungseinheit vorstand und auf die Einhaltung der Gesetze und Abgabenpflichten zu achten hatte. Der Schultentitel ist seit 1326 bezeugt, denn im Mitgliederverzeichnis des Wattenscheider Kalandes, einer frommen Bruderschaft zumeist wohlhabender Bürger und Geistlicher zur Verrichtung guter Werke, wird im gleichen Jahr Rutger Schultetus in Boykholt und die Frye, merssche (= Meierin) van dem Bockholte unter den Mitgliedern angegeben.

Besonders bemerkenswert an der Hofgeschichte ist, dass die Erbfolge ununterbrochen seit dem Mittelalter immer in der männlichen Linie gehalten werden konnte. Als Letzter bewirtschaftete Arnulf Schulte-Bockholt den Hof, bevor er in den 1970er-Jahren für mehrere Jahre nach Kanada zog und dort eine bedeutend größere Farm betrieb. Seitdem ist der Hof an den Reit- und Fahrverein Steele-Horst e.V. verpachtet, dem sich dadurch die Chance einer vereinseigenen Reitsportanlage bot. Bereits 1979 wurde die Hofanlage um eine Reithalle mit Vereinsgaststätte und Turnierplätze erweitert. 1980 fand das erste Turnier mit Spring-, Dressur- und Materialprüfungen statt. Durch seine derzeit großzügig angelegte Reitsportanlage mit zwei Reithallen, Dressur- und Springplatz, Besuchertribünen und Aussichtsplattformen sowie Stallungen mit über 55 Pferdeboxen hat der Reit- und Fahrverein Steele-Horst e.V. den Hof zu einem beliebten Austragungsort für Reitturniere gemacht. Mit ca. 300 Mitgliedern zählt er zu den größten Reitvereinen in Essen.

Anschließend sprach der Kulturbeauftragte der BV7, Herr Arnd Hepprich, einige Grußworte für den verhinderten Bezirksbürgermeister Gerd Hampel und unterstrich die Bedeutung dieser geschichtlichen Tafeln für die Erlebbarkeit lokaler Geschichte. So existieren auch in Steele, Kray und anderen Essener und Bochumer Stadtteilen solche Tafeln, die oft als Denkmal- bzw. Kulturpfade verbunden sind. Weitere sollen in Eiberg noch folgen.

Siehe auch die Berichte im Pressespiegel (Lokalkompass , WAZ )

(Fotos: Harald Vollmer und von Dieter Eilmes)

Enthüllung der Infotafel durch die Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Steele-Horst e.V. Alexandra Schmitz und Bezirksvertreter und Kulturbeauftragter Arnd Hepprich   Der Vorstandsvorsitzende des HGK Eibergs, Christian Schlich erklärt die Bedeutung des Wappenschlosses.   Die neue Tafel mit folgenden Personen von links: Ratsherr Ernst Potthoff, Bezirksvertreter Eduard Schreyer, Bezirksvertreter Klaus-Dieter Feige, Ratsherr Friedhelm Krause, Bezirksvertreter und Kulturbeauftragter Arnd Hepprich, Vorsitzender des HGK Eiberg Christian Schlich, Ratsherr Hans Dirk Vogt, Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Steele-Horst e.V. Alexandra Schmitz, Bezirksvertreterin Nicole Markner   Zuschauer bei der Übergabe   So sieht die neue Infotafel aus

Jun.
07

50 Jahre Bergmannsfeld – Zur Entstehung und Geschichte einer Großstadtsiedlung

07.06.2018

Der Historiker, Dozent, Verleger und Gästeführer Christoph Wilmer aus Essen, der bereits zum 40. Bestehen des Bergmannsfeldes ein entsprechendes Buch herausgegeben hatte, referierte mit viel Fachwissen über die Hintergründe und die Entstehung des großen Wohnbauprojektes Bergmannsfeld. Alte Luftaufnahmen und Bebauungspläne aus den 1960er-Jahren ergänzten die Entwicklungsgeschichte dieser Großsiedlung. Wilmer verstand es den Anwesenden die Probleme und die gesellschaftspolitischen Ansichten jener Zeit zu verdeutlichen, warum man diese, aus heutiger Sicht eher zu groß angelegten Siedlungsgebiete in der Essener Oststadt dort plante und sogar als fortschrittliche Wohnprojekte im Rahmen der Deutschen Bauausstellung in Essen (DEUBAU 1966) mit einem Preis auslobte.

Das Bergmannsfeld wurde schon einmal im Jahr 2015 vom Heimatgeschichtskreis Eiberg in einem Vortrag von Frau Roswitha Paas (Stadtteilbüro Bergmannsfeld) vorgestellt.

(Fotos von C.Schlich)

Der Vortragende H. Christoph Wilmer  Bergmannsfeld um 1968

© Copyright by Heimatgeschichtskreis Eiberg
Alle Rechte vorbehalten.
Quelle: http://eiberg-heimatgeschichtskreis.de/