Eiberg
Okt.
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Geschichte des Postwesens in Eiberg oder „Wie die Post nach Eiberg kam“

15.10.2026

Referent Christian Schlich erläuterte die Ausgangslage im 16. Jahrhunderts, als das Verbringen von Informationen von A nach B noch weitgehend unstrukturiert verlief. Die meisten Menschen waren damals des Schreibens nicht mächtig und allenfalls Fuhrleute konnten Briefe über größere Strecken mitnehmen. Lediglich die Könige, Fürsten und Adeligen sowie die kirchlichen Einrichtungen, aber auch einige Städte hatten bereits damals schon wichtige Korrespondenzen über weite Strecken zu versenden.

Über die erste organisierte Post in Deutschland durch die Kaiserliche Post von Thurn und Taxis bis hin zur ersten preußischen Postroute durchs Ruhrgebiet berichtete Schlich über die Anfänge der Posthaltereien in Steele, Wattenscheid und Bochum, aus denen allmählich Poststellen und -ämter wurden.

Einen gewaltigen Sprung nahm die Post als die Eisenbahnen aufkamen und das Schienennetz immer dichter wurde. Der industrielle Aufschwung brachte viele Arbeitskräfte ins Ruhrgebiet, so dass auch das postalische Angebot erweitert werden musste. Es entstanden so einige Posthilfsstelle, die schnell zu Postämtern aufstiegen. Bereits 1870 war an der Zeche Anna Maria und Steinbank eine Posthilfsstelle eingerichtet worden, die 1898 in Postamt 3.Klasse umgewandelt wurde und zur Bismarckstraße umzog. Ebenso war 1871 Postexpedition 2.Klasse in Dahlhausen im Hause des Gastwirtes Jacoby eingerichtet worden und 1875 mit Telegraphen-Stationen erweitert worden, die 1895 zur Dr.-C.-Otto-Straße 134 umzog.

Auch das 1885 neu geschaffene Amt Königssteele wollte ein eigenständiges Postamt haben, das im gleichen Jahre am 1.7. an der heutigen Dahlhauser Straße 64 zunächst als Postagentur unter Leitung von Jacob Esser eingerichtet wurde. Ihm folgte Postverwalter Eduard Sebo 1887 im Amt, bevor ab 1.10.1889 Theodor Wilhelm Günnwig das Amt über drei Jahrzehnte ausübte und 1922 zum Postmeister ernannt wurde. Während die Landpostzustellung für Eiberg ursprünglich vom Postamt Steele vorgenommen wurde, ging diese ab 1.6.1892 auf das Postamt Horst/Ruhr über. Ausgenommen waren die drei Eiberger Häuser im sogenannten Jägertal an der Fabrik Dr.-C.-Otto, die wie bisher im Zustellbezirk Dahlhausen verblieben.

Im weiteren Verlauf entstanden weitere Posthilfsstellen in Horst beim Kaufmann Theodor Ruhrmann an der Dahlhauser Straße 180, ab 1900 im Haferfeld an der Bochumer Landstraße 327 und ab 1893 in Ober-Eiberg beim Winkelier Ferdinand Rosiepe an der heutigen Varenholzstraße 129. Nach dem Zusammenschluss der Großgemeinde Königssteele mit der Stadt Steele 1926 entstanden weitere Posthilfsstellen „Lindkensfeld“ an der Horster Straße, „Ober-Horst“ an der Dahlhauser Straße 237 (ehem. Gaststätte W. Romberg) und „Eiberg“ am Schultenweg 76 beim Schneidermeister Wilhelm Wöll sen.. Aus diesen Hilfsstellen entwickelten sich dann Poststellen, die dem Postamt Steele bis 1971 unterstanden. Zunächst wurde die Poststelle in Eiberg ab 1950 unter der Bezeichnung „Essen-Steele 1A“ geführt, dann ab 1953 unter „Essen-Steele 7“. Bis 1968 führte die Poststelle Kaufmann Wilhelm Wöll jun., bevor Posthalterin Elisabeth Dornbusch übernahm. Als 1971 das Postamt Steele seine Eigenständigkeit verlor und in das Hauptpostamt Essen als Postamt „Essen 14“ integriert wurde, änderte sich die Bezeichnung der Eiberger Poststelle in „Essen 167“. Um 1979 zog dann die Poststelle „Essen 167“ in das Haus Schultenweg 71 um, bevor ca. 1994 die Poststelle in Eiberg endgültig aufgegeben wurde.

Fotos: Sammlung C.Schlich:

Lage Poststelle Schultenweg 76   Stempel Poststelle ESSEN-STEELE 7 1953 bis 1971   Vortrag Postwesen in Eiberg

Sep.
17

Die Gründung des Berg- und Hütten-Aktienverein Neu-Schottland und des Eisenwerkes in Horst vor 170 Jahren

17.09.2026

Einen sehr interessanten Vortrag über die Anfänge der Eisenindustrie im Ruhrgebiet hielt Dr. Daniel Sobanski vor einem großen Publikum im Pfarrheim St. Josef in Horst. Rund 70 Personen waren der Einladung des Heimatgeschichtskreises Eiberg und des Steeler Archivs gefolgt und konnten von den Anfängen der Eisenindustrie im Ruhrgebiet bis hin zur Gründung der Aktiengesellschaft Neu-Schottland hören. Der Referent schilderte die allgemeine Lage um die Mitte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hüttenwerke, die sich zunächst mit dem einheimischen Erzvorkommen, dem Raseneisenerz längst des Lippetales bis Lippstadt sowie im Raum Gütersloh begnügen mussten. Dieses Erz hatte sich sehr nahe unter der Erdoberfläche abgelagert. Später kamen auch der Kohleneisenstein im Zuge des Steinkohlenbergbaues zur Ausbeute.

 Durch Bündelung der ersten Werke (Hütte Westfalia in Lünen, Hüttenwerk von Carl von Born in Dortmund, Hasslinghauser Hütte) und ausreichendem Kapital gründete sich schließlich am 14. April 1856 in Steele der Berg- und Hütten-Aktienverein Neu-Schottland mit Verwaltungssitz in Dortmund und einem Aktienkapital von 3 Millionen Talern, die auch in Horst, hart an der Grenze zu Bergerhausen (später zu Steele gehörig) und zu Königssteele ein Eisenwerk anlegte. Zu den Gründern zählten prominente Vertreter der am Rhein ansässigen Finanzwelt und der westfälischen Industrie, wie der Bankier Wilhelm von Born, Direktor Weißmüller von der Westphalia-Hütte, Kaufmann Friedrich Schulz, Bürgermeister Schultz aus Lippstadt und der Unternehmer Leerkind aus Hagen-Haspe. Der Name „Neu-Schottland“ war für diese Männer das Programm für eine industrielle Entwicklung nach englischem und schottischem Muster. Das Geschäftsmodell sah eine Zusammenfassung des Kohle- und Erzbergbaues und der Hochofen-, Walzwerk- und Stahlproduktion bis zur Erzeugung von Fertigfabrikaten in einem Großbetrieb vor, so wie es bereits die „Hörder Bergwerks- und Hüttenverein AG“ oder der „Bochumer Verein“ vorgemacht hatten.

 In Horst wurde 1856 auf einem Gelände von 70 Morgen mit der Errichtung eines Puddel- und Walzwerkes begonnen und im weiteren Ausbau durch vier Hochöfen, 48 Koksöfen und 12 Puddelöfen ergänzt. Standortvorteile waren unteranderem die nahegelegenen Zechen und ab 1862 die Bergisch-Märkische-Eisenbahn mit ihrem Bahnhof Steele (Königssteele) als Knotenpunkt. Das Horster Eisenwerk erhielt direkte Schienenanbindung an diese Bahnstrecke und war dadurch mit weiteren Eisenwerken der Aktiengesellschaft Neu-Schottland verbunden. Die Hochofenanlage lag unmittelbar an der Bergisch-Märkischen-Eisenbahnstrecke und führte auch den Namen „Freisenbrucher Hütte“, obwohl die Hütte nicht auf Freisenbrucher Gebiet lag. Das Eisenwerk Horst produzierte insbesondere Schienen für den weiteren Eisenbahnbau im Ruhrgebiet und darüber hinaus. Zeitweilig waren rund 2.500 Menschen bei der Aktiengesellschaft Neu-Schottland beschäftigt. Konjunkturelle, wirtschaftliche und technische Schwierigkeiten führten im Laufe der Zeit zu einer wechselvollen Geschichte des Horster Eisenstandortes, der schließlich 1993 endgültig aufgegeben wurde. (siehe weiter unter WISSENSWERTES)

Fotos: Sammlung C.Schlich

 Hochofenanlage der Union_Horst_um 1912   Lageplan des Horster Eisenwerkes 1857   Vortrag  Neu-Schottland in Pfarrheim Horst

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