Grüße des HGK Eibergs
Mai.
19

Schnadegang 2019 – Geschichtliche Wanderung entlang der nordwestlichen Grenze Eibergs

19.05.2019

Bei herrlichem Wetter startete der diesjährige Schnadegang an der ehemaligen Eiberger Kirche in westlicher Richtung über den Schultenweg und Weg am Berge. Hier wurden geschichtliche Hintergründe zur Siedlung „Kleverkämpchen“ gegeben, die dieses Jahr ihr 60jähriges Bestehen feiern kann. Ebenso wurde an die einstige Bahnhaltestelle am Bahnübergang erinnert, der nach dem Verkauf der Zeche Eiberg ab 1908 und in den 1923er Jahren als Haltestelle für die Bergarbeiter genutzt wurde, um zu den weiter nördlichen Zechen in Bochum zu gelangen. Etwas weiter stand die Essig- und Sauerkrautfabrik Schulte-Bockholt & Werwer, die 1906 gegründet und genau 60 Jahre später geschlossen wurde. Im Bereich der jetzigen Großbaustelle „Eibergbach“ wurde über den einstigen Hof Althoff mit seiner Mühle berichtet. Dann ging es über die Zeche Eiberg durch die Bahnunterführung zum Schultenweg in Richtung Bergmannsbusch. Dabei wurde über das ehemaligen Arbeitslager im 2. Weltkrieg auf dem „Zechenplatz“ und den früheren Steigerhäusern am Schultenweg berichtet. In Höhe des Schwimmbades wurde kurz auf die Lage des einstigen Horster Hofes Schulte-Mecklenbeck mit seiner Mühle eingegangen, die im 2. Weltkrieg einen Volltreffer bekam und so durch ihre dickem Bruchsteinmauern Schlimmeres in der Umgebung verhinderte. An der Einmündung des Philosophenweges befindet sich der westlichste Punkt der Eiberger Grenze.

Weiter ging es durch den in den 1920er Jahre angelegten Bergmannsbusch, durch den ehemals ein Bach floß, der auch die Grubenwässer der Zeche Eintracht-Tiefbau vom Schacht Heintzmann in die Mecklenbecke leitete. In den seitlichen Hängen des Bergmannsbusches wurde in den 1950er Jahren noch in Kleinzechen Kohle abgebaut, um die damalige Energieknappheit zu mildern. Ein Teilnehmer der Wandergruppe konnte noch aus eigener Anschauung berichten, dass er als Kind Kohlenreste minderer Qualität dort gesammelt und nach Hause für den Hausbrand brachte.

Vorbei am Waldstadion Bergmannsbusch, das ursprünglich vom TC Freisenbruch und dem 1. FC Eiberg als Heimspielstätte genutzt wurde, und dem ehemaligen Standort des Hofes Bergmann ging die Route zur Alleestraße in Freisenbruch zum ehemaligen Gelände der Zeche Eintracht-Tiefbau Schacht II, der auch Schacht Heintzmann nach dem früheren Bergrat Heinrich Heintzmann (* 30.09.1778 auf Haus Weile in Hattingen; † 17.02.1858 in Essen) genannt wurde. Dort verlief auch die Eiberger-Freisenbrucher Gemeindegrenze mitten durch das Zechenareal. Noch heute finden sich dort Reste der Betriebsgebäude und des Schienenanschlusses, der später durch die dort ansässige Firma Fett-Velten noch genutzt wurde und auf dem heute ein hervorragender Rad- und Wanderweg existiert. Über einen Trampelpfad zwischen der einstigen Abraumhalde der Zeche Eintracht und der ursprünglich angedachten Straßentangente am Bergmannsfeld führte die geschichtliche Wanderung über den Sachsenring und dem Wiesmannsbrink mit den alten Kotten Walter und Strücker sowie durch das Tal der Schirnbecke am Hof Brandhoff vorbei zurück zum Ausgangspunkt. Nach der Wanderung kehrten die Wanderer noch im Eiberger Cafe ein.

Fotos: Dagmar Vollmer, Gregor Heinrichs, Dieter Eilmes, Christian Schlich

Start am Eiberger Cafe  Infotafel am Schacht Heintzmann  Alte Industriefundamente am Schacht Heintzmann  Alter Kokskohleturm am Schacht Heintzmann   Waldstation Bergmannsbusch  Zuletzt von Fett-Velten genutzte Zechengebäude am Schacht Heintzmann  Kotten Strücker  Kotten Walter

 

Mär.
28

Die Entstehung der Großgemeinde Königssteele vor 100 Jahren

28.03.2019

In seinem Vortrag über die Bildung der Großgemeinde Königssteele am 1. April 1919 ging der Referent Christian Schlich auf die schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufkommenden Gedanken zur Erweiterung der Stadt Steele um das Gebiet der unmittelbar angrenzenden Gemeinde Königssteele ein.

Der aufkommende Bergbau und die Industrialisierung führten aber zunächst zum Aufblühen der selbständigen Gemeinden Horst, Königssteele, Freisenbruch und Eiberg, die solche Ansinnen stets ablehnten. Der gehegte Gedanke auf Steeler Seite war geprägt durch den Wunsch, die Rheinisch-Westfälische Grenze (einstige Grenze zwischen dem Stift Essen und der Grafschaft Mark), die mitten durch den heutigen Stadtteil Steele in Höhe des Dreiringplatzes verlief, fallen zu lassen, um so die Strukturen für Verwaltung, Post , Handel, Kirche etc. in den nach und nach sehr eng zusammengewachsenen Wohngebieten deutlich zu verbessern.

Erst die Bergbaukrise zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den ersten Schließungen der Tiefbauzechen an der Ruhr (z.B. 1914 Zeche Eiberg) und der Erste Weltkrieg brachte schließlich ein Umdenken. Notgedrungen mussten Eiberg und danach die anderen drei märkischen Gemeinden nach tragfähigen Gebietskörperschaftsstrukturen suchen, da sie einzeln zum Teil erhebliche Steuerverluste hinnehmen mussten und die Sozialausgaben deutlich zunahmen. So lag es nahe, dass die bereits in dem 1885 gegründeten Amt Königssteele vorhandenen Gemeinden sich schließlich zu einer einzigen Großgemeinde zusammenschlossen und ihre Verwaltungen zusammenlegten und verschlankten.

Ab da hörte die Eigenständigkeit der einstigen Landgemeinden auf. Gleichzeitig war es die Stunde, in der Eiberg seine ersten Straßennamen erhielt. Zuvor reichte noch die Durchnummerierung der Häuser aus. Doch sollte durch die weiterhin schwierige Wirtschaftslage und weitere Schließungen großer Werke (1925 Zeche Eintracht-Tiefbau, 1926 Eisenwerk Neuschottland) die Überlebenszeit der neuen Großgemeinde Königssteele auf 7 Jahre begrenzt sein, bevor sie sich endgültig mit der Stadt Steele im Jahre 1926 zusammenschloss.

Feb.
21

Die Ruhrschifffahrt und deren Bedeutung für unsere Heimat (1780-1890)

21.02.2019

In seinem Vortrag ging der Referent Christian Schlich auf die Geschichte der Ruhrschifffahrt ein, die bereits im 9. und 11. Jahrhundert erstmals Erwähnung fand. Verschiedene Privilegien der Deutschen Könige und Kaiser an die Abtei Werden sanktionierten damals die Schifffahrt auf der Ruhr zwischen Werden und dem Rhein, die später auch auf die Ruhr oberhalb von Werden erweitert wurden. Doch die damals zahlreichen Kleinterritorien an der Ruhr mit ihren Einzelinteressen machten eine durchgängige Nutzung des Flusses schwierig bis gar unmöglich. Erst der aufstrebende Steinkohlebergbau mit seinen zahlreichen Stollenbetrieben an der Ruhr im 18. Jahrhundert warf die Frage nach einem geeigneten Transportmittel und -weg auf. So trieb die Preußische Regierung den Ausbau der Ruhr mittels 16 Schleusen voran, die 1780 von Ruhrort bis Langschede in Betrieb gingen und so den durchgängigen Kohletransport ermöglichten. Rund 80 Schiffe fuhren so täglich Richtung Rhein. Gleichsam legten die Ruhrzechen 85 sogenannte Kohlenniederlagen bzw. -magazine längst der Ruhr an, an denen die Schiffe (Ruhraaken) beladen wurden. Die Kohlen brachte man von den Zechen über durch Schiebewege, die teilweise sogar mit Schienen versehen waren, zu den Magazinen. In seinem Vortrag ging Schlich auch speziell auf die Hoster Schleuse und den Holteyer Hafen als Sicherungshafen ein.

Bereits 1801 wurde der Schiffsverkehrs oberhalb von Witten eingestellt. Die Ruhraaken waren Plattbodenschiffe mit einer Länge von ca. 34 - 35 m, einer Breite von 5 m und einer Tragfähigkeit von bis zu 175 t. Flussabwärts nutzte man die natürliche Fließgeschwindigkeit der Ruhr und ggf. den Wind mittels Segeln. Flussaufwärts wurden die Boote mit einem Pferdegespann über lange Leinen gezogen (getreidelt), wobei die Tiere und der Pferdeknecht über einen speziell angelegten Treidel- bzw. Leinenpfad gingen, die zum Teil noch heute erhalten sind.

Den Höhepunkt erreichte die Ruhrschifffahrt mit einer Transportmenge von 867.734 t Steinkohle im Jahre 1860. Doch kurz darauf entstanden die ersten Eisenbahnen in unserer Ruhrregion, sodass der Schiffstransport schnell einbrach. Speziell der Bau Ruhrtal-Bahn (1872-1876) führte zu einem schweren Bedeutungsverlust, sodass 1876 nur noch knapp 100.000 t Kohle verschifft wurden. Auch ein 1886 gegründeter „Verein zur Kanalisierung der Ruhr“ in Witten als Gegenreaktion konnte den Niedergang der Ruhrschifffahrt nicht mehr abwenden. So passierte 1889 das letzte Kohlenschiff die Schleuse in Mülheim Richtung Rhein. Noch heute erinnern zahlreiche Bauten längs der Ruhr an diese industriegeschichtliche Periode.

(Fotos: C.Schlich, H.Vollmer)

Ruhraake bei Zeche Nachtigall in Witten  Modell einer Ruhraake

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