Impressionen aus Eiberg
Mär.
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Eiberger Straßen – Der Sachsenring Teil 1

21.03.2024

Über den Sachsenring, der erst seit 1926 in seinem heutigen Verlauf existiert, berichtete Referent Chr. Schlich in seinem interessanten Vortrag. Im ersten Teil wurde der Verlauf von der Bochumer Landstraße bis zur Schirnbecker Teiche mit seinen Anrainern und geschichtlichen Gegebenheiten in den Focus genommen. Ursprünglich begann der nördliche Sachsenring am alten Hellweg und erhielt erst später einen direkten Zugang zur Bochumer Landstraße. Vor der erstmaligen Vergabe von Straßennamen in der 1919 gegründeten Großgemeinde Königssteele hieß der Weg „Eiberger Straße“ und wurde dann in „Beckmannstraße“ nach dem ehemaligen, langjährigen Gemeindevorsteher von Eiberg, Heinrich Beckmann (*1837 +1915), umbenannt. Das mittlere Stück des heutigen Sachsenringes erhielt damals den Namen „Wiesmannsweg“ und der südliche Teil „Mecklenbecksweg“. Erst mit der Fertigstellung der heute abgerissenen Bahnbrücke im Jahre 1926/27 wurde der Sachsenring in seinem heutigen Ausgestaltung passierbar. Der Name „Sachsenring“ entstand in Anlehnung an den alten germanischen Stamm der Sachsen, die im Osten von Essen ansässig waren, im Gegensatz zu den Franken, die westlich angesiedelt waren, wonach die Frankenstraße benannt wurde.

Der nördliche Teil des Sachsenrings war bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts nicht besiedelt. Lediglich ein altes Fachwerkhäuschen, das zum Kotten Bamberg am Eibergweg gehörte, lag im Bereich der Parkplätze der heutigen Schrebergartenanlage am Sachsenring. Erst nach der Gründung der Tiefbauzeche Eintracht-Tiefbau 1856 entstanden dort wenige neue Bergmannskotten (früher Sachsenring 19-33 und 51). Mit dem Teufbeginn des Schachtes Heintzmann im Jahre 1873 als zweiter Schacht der Zeche Eintracht-Tiefbau und dem weiteren Ausbau dieser Schachtanlage benötigte man mehr Wohnraum, den man um 1900 mit den Bergmannswohnhäusern Sachsenring 46-52 schuf. Um diese Zeit entstanden auch die Häuser Sachsenring 54, 66, 72, 82 und 84 sowie die Häuser Nr. 93, 103, 114, 124, 126 und 128. Erst wenige Jahre vor der Schließung der Zeche Eintracht-Tiefbau baute 1923/24 die Bergmannssiedlung Landkreis Hattingen GmbH die charakteristischen Häuser Sachsenring 59-87, die später noch durch die Nr. 55-57 ergänzt wurden. Das äußerliche Erscheinungsbild der aneinandergereihten Häuser führte im Volksmund zu dem Begriff „D-Zug“ für diese Siedlung. Zur gleichen Zeit sah sich die Großgemeinde Königssteele durch die schlechte Wirtschaftslage nach dem 1. Weltkrieg und die Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen und Belgier mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut veranlasst, auf einem wüsten Teilstück der Abraumhalde am Sachsenring Notunterkünfte für Bedürftige zu errichten. So entstanden zunächst 5 Holzbaracken, die später durch massivere Gebäude ersetzt wurden (Sachsenring 108-112). Aufgrund der oft schwierigen sozialen Verhältnisse kam die Bezeichnung „An den Karparthen“ auf, die sich in den 1950er Jahren in „Mau-Mau-Siedlung“ änderte. Die Bezeichnung nahm Bezug auf den Mau-Mau-Krieg, der als Kampf der Unabhängigkeitsbewegung in Kenia gegen die Kolonialmacht Großbritannien von 1952–1960 geführt wurde. Da man glaubte, Verhaltensähnlichkeiten wie die Zerstörungswut der Aufständischen im Mau-Mau-Krieg zu erkennen, adaptierte man die Begrifflichkeit. Nach dem Zusammenschluss der Großgemeinde Königssteele und der Stadt Steele im Jahre 1926 entstanden die Häuser Nr. 102 (später Wäscherei Ritter) und Nr. 120/122.

Weitere Bauaktivitäten ergaben sich am nördlichen Sachsenring erst nach der Eingemeindung der Stadt Steele nach Essen. So wurden ab 1932 im größeren Stil mehrere Kleinsiedlungshäuser (Sachsenring 105-155) und sowie die ersten Häuser am Reibenkamp gebaut. Ergänzt wurde die Bebauung nach dem 2. Weltkrieg mit den Häusern Nr. 86-100. Heute sind bereits einige alte Gebäude weiteren Neubauten gewichen und Freiflächen nachverdichtet worden. In einem 2. Vortragsteil wird dann auf die Entwicklung des südlichen Sachsenrings bis zur Dahlhauser Straße eingegangen.

Fotos: C.Schlich, D.Eilmes, Sammlung HGK Eiberg

Vortrag Sachsenring Sachsenring mit Sozialbauten um 1960 mit Blick vom Schultenweg  Bergmannshäuser der Zeche Eintracht-Tiefbau erbaut um 1900 (Sachsenring 48-52)

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