Impressionen aus Eiberg
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Ludwig Bockholt – Ein Flugpionier aus der Familie Schulte-Bockholt

10.09.2020 | Geschrieben von Harald

Mit dem ersten Vortragsabend nach dem Corona-Lockdown konnte der HGK Eiberg sein Jahresprogramm mit einem interessanten Vortrag wieder aufnehmen.

In seinem Bildvortrag beleuchtete Christian Schlich die Lebensgeschichte des am 1. Mäez 1885 in Heerdt geborenen Ludwig Bockholt, ein Bruder vom Gutsbesitzer Franz Schulte-Bockholt in Eiberg. Nach seiner Kindheit in Heerdt und Schulzeit in Neuss begann er mit 18 Jahren seine Offizierslaufbahn bei der Kaiserlichen Marine. Nach seiner Ausbildung in der Marineschule Kiel versah er seinen Dienst zunächst auf verschiedenen Kriegsschiffen in Wilhelmshaven. Zeitweilig war er in die deutsche Kolonie Tsingtau (Qingdao, China) abkommandiert worden, die das deutsche Kaiserreich für 99 Jahre angepachtet hatte. Im 1. Weltkrieg nahm er an der Schlacht am Skagerrak unter Admiral Scheer teil, die mir rund 250 Schiffen die größte Seeschlacht des 1. WK war. Doch seine Unzufriedenheit mit Teilen der Vorgesetzten und seine Sehnsucht nach neuen Herausforderungen führte ihn schließlich zur Luftschifffahrt, die damals ebenfalls der Kriegsmarine zugeordnet war. So absolvierte er eine Kurzausbildung zum Luftschiffführer in Nordholz und wurde Kapitänleutnant. Ein Husarenstück gelang ihm als Kommandant des Luftschiffes L23 am 23.04.1917, als er die norwegische Dreimastbark „Royal“ beim Horns Riff in der Nordsee aufbrachte und als Prise nach Cuxhaven einbringen ließ. So erlangte er Ruhm in der Armee. Doch seine größte Unternehmung sollte noch folgen. Denn als die deutschen Truppen in Deutsch-Ostafrika unter General Paul von Lettow-Vorbeck in Bedrängnis gerieten, sollte eine Nachschublieferung per Luftschiff zum Tangajekasee erfolgen. Für diese geheime Kommandosache unter dem Decknamen „Die China-Sache“ wurde Ludwig Bockholt ausgewählt, weil er noch kein erfahrener Luftschiffführer war und die anderen für andere Kriegseinsätze eher benötigt wurden.  Nach einem Fehlversuch, der mit dem Verlust des ganzen Luftschiffes L57 endete, startete er schließlich am 21.11.1917 mit dem Luftschiff L59 von Jamboli (Bulgarien) aus in Richtung Ostafrika zu einer rund 5.800km langen Fahrt mit 14 Tonnen Kriegsmaterial. Nach einem über Afrika empfangenen Funkspruch musste Bockholt nach fast 2/3 der Strecke wieder umkehren, da der Erfolg des Unternehmens durch die zwischenzeitlichen Gegebenheiten in Frage gestellt war. So kehrte er nach 95 Stunden und 5 Minuten Non-Stop-Flug (Fahrt) nach Jamboli zurück und hatte eine Strecke von 6.757 km zurückgelegt, ein Langstreckenflugrekord, der bis 1929 hielt. Anschließend wurde Bockholt für Angriffsfahrten eingesetzt. So gelang es ihm den Hafen und die Gasanstalt von Neapel aus der Luft zu bombardieren, womit die Italiener nicht gerechtet hatten. Auf einer Angriffsfahrt gegen Malta stützte Ludwig mit seinem Luftschiff L59 am 7. April 1918 gegen 9 Uhr aus ungeklärter Ursache über der Straße von Otranto vor Albanien ab. Vermutlich war es keine Feindeinwirkung, sondern ein technischer Defekt, der den Wasserstoff im Luftschiff zur Explosion brachte. Noch heute erinnert in Neuss die Bockholtstraße an ihn. Ein Gedenkstein befindet sich noch auf der Familiengruft in Düsseldorf-Heerdt.

(Bild: Privatbesitz)

Ludwig Bockolt 1885-1918

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